Die Perseiden in den Dolomiten

Fotoseminar „Die Perseiden“ am Piz Boé in den Südtiroler Dolomiten

Wenn man einmal im Leben etwas besonderes sehen möchte, dann schlage ich Euch vor, einmal eine oder zwei Nächte in den Dolomiten zu verbringen, am besten auf einer Hütte, weit oben, vielleicht sogar am Gipfel und dann einfach nur zu warten auf das was kommt. Bei Tag und bei Nacht. In etwa so erging es uns beim Fotoseminar „Die Perseiden“ auf der Rif. Capanna Piz Fassa, auf 3152 Meter hohen Gipfel des Piz Boé, dem höchsten Gipfel der Sella Gruppe. Wir standen inmitten der Dolomiten in einer ganz passablen Höhe über den Lichtern der umgebenden Dörfer, mit einer Fernsicht von den Karnischen Alpen über die Hohen Tauern, die Zillertaler Alpen, die Stubaier Alpen, die Ötztaler Alpen bis hin zur Ortler Gruppe. Und wir konnten die Bergwelt genießen! Aber alles der Reihe nach.

Geplant war vom 11.08. bis 13.08.2018 zwei Nächte auf der Sella Gruppe zu verbringen. In der Nacht vom 12. auf den 13.08. war der Höhepunkt des Perseiden Meteorschauers angekündigt. Und das kurz nach Neumond, also eine ideale Möglichkeit die Sternschnuppen zu beobachten und zu fotografieren. Nachdem ich bereits im Jänner die Plätze reservierte hoffte ich auf reges interesse. Und so war es dann auch. Das Seminar war ausgebucht und es konnte einem schönen Sternenspektakel nichts mehr im Wege stehen.

Und los gehts

Wir trafen uns also am 11.08. bei der Talstation der Funivia Sass Pordoi und schwangen uns in ca. 5 Minuten 850 Meter höher auf Terrazza delle Dolomiti auf knapp 3000 Meter Seehöhe. Schon die Fahrt war beeindruckend. Das Wetter war wolkig, wobei die Wolken sehr tief in den Felsen hingen. Wir erlebten also einen ersten dramatischen Ausblick auf die Felsen der Dolomiten. Bepackt mit allerlei Gepäck – ich hatte zwei Rucksäcke zu tragen – ging es also los in Richtung Hütte. Zuerst führte der Weg 100 Höhenmeter hinunter in die Pordoischarte, wo ich bereits als Kind mit den Schiern abgefahren bin, und dann 300 Höhenmeter hinauf zu Hütte die weit entfernt am Gipfel thronte. Schon bald bemerkten wir die dünne Luft und wir mussten spürbar langsamer gehen. Auch waren einige Abschnitte mit Stahlseilen versehen sodass wir sogar ein bisschen klettern mussten. Mit dem schweren Gepäck war das nicht ganz einfach.

Nach nicht ganz 1,45 Stunden erreichten wir den Gipfel und die Hütte. Jetzt konnten wir uns entspannen. Nach einer ersten Mahlzeit wurde uns das Zimmer zugeteilt. Die Hütte ist ja wirklich nur sehr klein. Wir hatten eine Hühnerleiter hinauf zu den Schlafräumen und ein ital. Toilette, sogar mit Spülung. 9 Personen lagen in einem 8-Bett-Zimmer auf 4 Ebenen verteilt. Mit dem Gepäck sah der Raum aus als ob wir in einem Slum wohnten, jedoch muss ich auch sagen, haben wir doch die eine oder andere Stunde gut schlafen können.

Fotogalerien die Perseiden

Panoramaaufnahmen Sonnenaufgang
Die Nacht der Sterne Felsenmeer
Wolkenmeer

Hier sei vielleicht auch angemerkt, dass Tagestouristen, von der Gondelbahn aus, in Scharen wie Ameisen zur Hütte strömen. Es sieht fast aus als ob man als Tourist bei den Pyramiden in Ägypten wandert. Die Menschen gehen zum Teil mit kurzer Hose und Spagetti-Shirts hinauf auf den Gipfel und frieren dann dort vor sich hin. Man muss ganz ehrlich sagen, dass dieser Menschenauflauf extrem unangenehm und fast nicht auszuhalten ist, und dass dies einer von zwei Nachteilen auf diesem Gipfel ist. Der zweite Nachteil ist eine alte Richtfunk-Antenne, die am Gipfel neben der Hütte steht. Diese wird auch nicht mehr abgebaut, verschandelt aber das gesamte Gipfelplateau. Was die Menschenmassen anbelangt, so sind diese Gott sei Dank ab 16 Uhr weg. Es wird also absolut ruhig dort oben, denn dann müssen alle wieder rüber zur Gondelbahn und der Gipfel gehört nun jenen, die auf der Hütte bleiben. Das ist dann unsere Zeit gewesen!!

Das Seminar beginnt

Ein kurzer Einführungsvortrag mit meinem Laptop – aber ohne Beamer – ließ das Seminar beginnen, wobei es in einer Berghütte schwierig ist, Ruhe für solch einem Vortrag zu finden, auch wenn nur wenige Personen auf der Hütte sind. Der erste Abend gestaltete sich fototechnisch als ziemlich abwechselnd, da die Wolken noch immer in den Felsen hingen und wir immer wieder von einer solchen Wolkenwand verschluckt wurden. Dafür erlebten wir in den wolkenfreien Zeiten einen sehr dramatischen Sonnenuntergang mit unglaublichen Wolkentürmen über uns und einer sehr auffälligen, orangenen Wolke, die dem Feuer einer Fackel glich. Die Dämmerung danach war ebenfalls sehr dramatisch, bis uns kurz vor der absoluten Dunkelheit, die Wolken vollständig einhüllten.

Nach einer kurzen Nacht ging es früh raus um einem erhofften Sonnenaufgang die Kameralinse entgegen zu halten. Doch die Wolken waren noch immer da. Mal sahen wir den Himmel, mal rollten die Wolken über uns. Es war also nicht sehr ergiebig, wobei auch der Wind sein Schäuflein dazu beitrug, dass wir alsbald wieder in der Hütte beim Frühstück saßen. Wie dem auch sei, der Nebel hatte auch was gutes, denn der Tag war ja für ruhen und entspannen verplant um die Nächte fotografieren zu können und um auch den Menschenmassen auszuweichen. Trotzdem gingen einige Seminarteilnehmer in Richtung der etwas tiefer liegenden Boé Hütte und marschierten am Nachmittag den Rundweg über das Platteau der Sella Gruppe zurück zum Gipfel.

Die Nacht der Perseiden

Nach einem kräftigen Abendessen hofften wir, dass der Himmel endlich aufreist. Der Wetterbericht war zweigeteilt und besagte, dass es am Abend aufklaren sollte ... und dem war dann auch so. Und das in einer atemberaubenden Form. Nach Sonnenuntergang begann das Spektakel. Die Wolken lösten sich auf bzw. sanken in die Täler ab. Der Wind schlief ein. Über dem Massiv der Marmolada, dem höchsten Berg der Dolomiten, thronte eine Gewitterwolke, die von innen leuchtete und wunderbar zu fotografieren war und auf der gegenüberliegenden Seite, in Richtung Nord-Tirol, leuchtete ebenfalls ein Gewitter durch die Wolken. Davor standen die Felsen der Geislerspitzen, die natürlich ein dramatisches Motiv ermöglichten.

Wir hatten also nun den Punkt erreicht wo es in alle Richtungen spektakuläre Motive gab und zudem begann auch noch der Sternenhimmel über uns zu leuchten. Dann waren die ersten Sternschnuppen zu sehen. Man hörte dann immer öfter "da war eine" ... "und da schon wieder" ... "boah, das war vielleicht eine" ... "hast du die gesehen". Am besten war ein Bolide, der eine extrem helle Leuchtspur erzeugte und so hell verglühte, dass die gesamte Landschaft für einen kurzen Moment durch sein Licht aufgehellt wurde. Das Plasma stand dann noch an die 10 Sekunden über uns. Leider hatte aber niemand die Kamera in diese Richtung ausgerichtet.

Mehr oder weniger waren nun alle Teilnehmer über dem Gipfel verstreut und beobachteten intensiv die Sterne, und die Berge. Der Wind legte in der Nacht zwar wieder etwas zu aber er schien nicht mehr wirklich zu stören. Viel zu intensiv waren wir in dem Bann der Sterne und der Perseiden gezogen. So wurde das Seminar noch seinem Namen gerecht und auch zu einem sichtbaren Erfolg, was die Motive anbelangt, denn die Perseiden strömten wie ein Schauer über unsere Köpfe hinweg. Auf dem Pano darunter konnte ich - ohne die Sternschnuppen mit dem Auge zu sehen, 4 Stück einfangen. Der vierte Bolide war nur sehr klein und steht links im Bild, unter der auslaufenden Milchstraße und unter der Andromedagalaxie. Alle Spuren haben ihren grünlichen Charakter, der den Perseiden zugeordnet werden kann.

Die Magie eines Sonnenaufgangs

Am nächsten Morgen ging es wieder sehr früh raus, denn das Wetter war klar und es erwartete uns ein schöner Sonnenaufgang. Nachdem die Perseiden hinter dem Schleier des Morgenlichts verschwanden, nahm uns dafür die Dämmerung in ihren Bann. Die Silhouetten der Berge staffelten sich bis zum Horizont in den skurrilsten Formen und Farben. Das Licht der blauen Stunde ließ die Marmolada zart Rosa (!) erleuchten, am Gegenhorizont stand für 10 Minuten ein äußerst intensives Venusband (auch Venusgürtel bzw. rosa Stunde genannt) über den Gipfeln und nachdem die Sonnenscheibe raus kam begannen alle Berge in der Goldenen Stunde zu glühen. Es war wahrlich beeindruckend und für das Seminar ein würdiger Ausklang.

Wir fotografierten quasi die ganze Nacht bis nach 8 Uhr am Morgen und hatten etwa 2 Stunden Schlaf. Es war in diesen beiden Tagen wirklich alles dabei, Bergglühen, Sonnenaufgang, Sonnenuntergang, Blaue Stunde, Rosa Stunde, Dämmerungsphasen, Panoramas, Gewitter, Nebel, Wolkentürme, Sterne, Sternschnuppen und natürlich die Milchstraße. Auch leuchteten unter uns die Städte Canazei, Arabba und Corvara sowie in weiter Ferne die Städte der Po-Ebene, die sich als Lichtverschmutzung in der Atmosphäre am Horizont zeigte.

Nachdem wir nach dieser fantastischen Nacht unser wohlverdientes Frühstück eingenommen hatten, begaben wir uns wieder aufs Zimmer, um in diesem Gewusel unsere Sachen zu finden und im Rucksack zu verräumen. Das war wohl das schwierigste Tun dieser Tage. Dann ging es am Vormittag wieder zurück in Richtung Gondelbahn. Wir stiegen diesmal den etwas leichteren aber längeren Weg in Richtung Boé Hütte ab um dann von dort aus das Platteau zur Pordoi Scharte zu queren. Von der Scharte ging es nochmals die 100 Höhenmeter rauf zur Gondelbahn, und diese 100 Höhemeter hatten es wieder mal richtig in sich.

Ein letztes Getränk bei stechender Sonne auf der Terrazza delle Dolomiti in der Gemeinsschaft der Gruppe, dann die Fahrt zur Talstation und dann der Abschied der Gruppe. Meine Lieben, es war wirklich gewaltig schön, ich danke für Eure Begeisterung und Ausdauer und hoffe, dass wir uns bald mal wiedersehen werden.

Auch im Jahr 2019 werde ich weider ein Fotoseminar auf der Rifugio Cappana Piz Fassa veranstalten. Um sich einen Platz zu reservieren empfehle ich die Anzahlung von 50 Euro vorzunehmen.

Alles Liebe
Euer Foto Doc

Günter

Fotogalerien die Perseiden

Panoramaaufnahmen Sonnenaufgang
Die Nacht der Sterne Felsenmeer
Wolkenmeer

Schreibe einen Kommentar