Die Kraft des Sehens – Die Gehzeit

Erwandere Dir Deine Motive.
Bewege Dich.
Körperliche Betätigung führt zu innerer Ruhe!

 

Fotografie im Angesicht der Natur.

Um besondere Erlebnisse in der Natur in ein Foto umzusetzen gilt es besondere Orte aufzusuchen. Hier meine ich nicht Orte, die laut oder mit Menschen überfüllt sind. Nein, ich meine Orte, wo Du ganz für Dich sein kannst. Da ich eine große Liebe für die Berge empfinde schlage ich natürlich einen leicht zu erreichenden Ort in den Bergen vor. Aber das muss es nicht sein. Es kann auch im Flachland, im Wald, auf einer Wiese, an der Küste, in der Wüste oder irgend einem Ort in der Welt sein, den Du leicht und gerne erreichst. Wichtig ist nur, dass es in der Natur ist, das es größtmöglich still ist und dass Du dort auch für Dich alleine sein kannst. Mitunter bist Du sogar vor dem Fotografieren damit beschäftigt den Ort zu planen, Sonnenauf- und Sonnenuntergangszeiten zu notieren, auch die Positionen der Sonne und der Sterne zu lokalisieren, das Wetter zu beobachten und natürlich auch Dein Fotoequipment vorzubereiten. Das sind alles Dinge, die ein Fotograf, und damit meine ich keinesfalls nur Profis, gerne tut, denn sie erlauben bereits eine erste Vorfreude auf das Erlebnis, auf das was kommt. Und genau diese Vorfreude ist es, die wichtig ist für jedes (Foto-)Vorhaben.

Um aber auch voller Hingabe Fotografieren zu können benötigst Du noch etwas anderes. Es ist vielmehr ein Verlangen, dass alle Bergsteiger und Naturliebhaber empfinden, auch wenn Sie nicht fotografieren. Es ist das Verlangen nach Ausgeglichenheit, nach einem Gefühl von Leichtigkeit und nach dem Wunsch etwas besonderes zu erleben, das in Erinnerung bleibt und aus dem es möglich ist, Kraft zu schöpfen. Anders ausgedrückt, es ist das Verlangen nach Gesundheit, nach körperlicher und mentaler Gesundheit. Um dieses Verlangen zu befriedigen und zugleich Kreativität und mentale Entspannung zu erfahren habe ich die Landschaftsfotografie und das menschliche Wesen studiert und daraus die Methode der vier Foto-Zeiten entwickelt. Die Gehzeit, die Ruhezeit, die Kreativzeit und die Emotionszeit.

Die Gehzeit ist der erster Schritt zur bewussten Fotografie. Bewegung, Sport und Spiel ist wichtig. Wichtig vor allem, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen, um Gesund zu bleiben beziehungsweise Gesund zu werden. Das oben genannte Verlangen kannst Du bewusst mittels der Fotografie anwenden, indem Du einen bestimmten Foto-Standort auf einem Gipfel, an einem See, oder sonst wo in der Natur, aufsuchst. Du bewegst Dich dort hin und somit bewegst Du gleichermaßen Deinen Köper sowie auch Deinen Geist. Du suchst den optimalen Ort, beobachtest die Detaile in der Natur, schaust auf mögliche Motive, siehst das Licht und die Schatten, spürst die Umgebungstemperatur und hörst die Geräusche um Dich herum. Du beginnst dadurch Gegenwärtigkeit zu entwickeln.

Durch das Erwandern Deines Motivs nimmst Du – anfänglich unbewusst – Kontakt zu Natur auf. Du machst das wozu Dein Köper erschaffen ist. Sich zu bewegen. Du bewegst aber nicht nur Deine Beine oder Deine Arme, nein Du bewegst Dein gesamtes Wesen. Denn auch wenn Du es bewusst noch immer nicht wahrnehmen kannst, durch den Kontakt zur Natur beginnst Du leise hinzuhören, zu riechen, zu sehen und vor allem zu fühlen. Du spürst etwas besonderes, etwas was Dir ungemein gut tut, Du weißt nur noch nicht genau warum das so ist. Aber Du kannst es fühlen. Um es für Dich besser zu verstehen richte Deine Aufmerksamkeit nur auf das Gefühl!! Deine Gedanken beginnen nun ebenfalls die klare Luft, das Rauschen des Baches und der Bäume, den Duft des Holzes und den blauen Himmel wahrzunehmen. Durch die Bewegung beginnt Dein ganzer Köper zu arbeiten, wie ein Motor, den man nur schwer in Gang kriegt, der aber, wenn er mal läuft, unbeirrt in Bewegung bleibt. Im Außen sowie im Innen. Durch die Bewegung beginnst Du auch Dinge in Dir zu verbrennen. Und damit meine ich nicht vorwiegend Kalorien oder Fettzellen, nein, ich meine Gedanken verbrennen. Gedanken an alle möglichen Dinge, die sich ständig, wie der Ton eines aufdringlichen Lautsprechers, durch Deinen Kopf bewegen. Gedanken die Dir Tag für Tag Energie rauben, Du sie aber als normal ansiehst, weil Du nichts anderes kennst. Es wird jene Energie verbrannt, die dafür verantwortlich ist, das wir uns unwohl fühlen. Der entstandene Kontakt zur Natur während der Gehzeit macht dies Möglich und erlaubt es diese negative Energie, die in Form von Gedanken zu Tage treten, abzugeben, einfach fallen zu lassen, ohne darüber nachzudenken.

Wir richten unsere Gedanken auf das was uns umgibt. Durch Bewegung von Köper und Geist. Es ist ein bisschen wie überschüssige Energie abgeben, wie eine Entladung, vergleichbar mit dem Entladen eines Blitzes, einer aufgestauten inneren Kraft. Es ist eine Entladung negativer Energie aus allen Zellen Deines Köpers. Aber dadurch wird man innerlich nicht leer, nein, dadurch wird nur eine andere Energieform wiederhergestellt, eine positive Energie, die uns das natürliche Gleichgewicht erfahren lässt. Eine Energie die uns Kraft gibt, ohne das wir gedanklich daran festhalten oder darum kämpfen müssen. Eine positive Energie, wie wir sie eigentlich immer schon hatten, die immer schon da war, aber nur durch die Lautstärke unserer Gedanken verdeckt wurde. Durch Bewegung und das daraus resultierende, bewusste Denken erreichen wir, dass wir unsere eigene Energie zurückfordern, das wir dadurch unsere Gedanken, unseren Verstand kontrollieren und somit nicht mehr von unserem Verstand kontrolliert werden. Eigenartig. Es fühlt sich so normal an und tut so gut. Es ist als ob wir Widerstand loslassen!

Durch die Gehzeit, das Erwandern des Motivs beziehungsweise der Kontaktaufnahme mit der Natur, wird den lauten und unkontrollierten Gedanken, dem „Denker“ (Anm.: nach Eckhart Tolle) in uns, Energie abgezogen. Diese Energie, die andauernd als beurteilende Stimme, als permanenter Gedankenfilm durch unseren Kopf wandert, verstummt. Es wird der negative Gedankenstrom unterbrochen. Unser Wesen richtet sich nun bewusst auf die Natur, auf das was uns gerade umgibt. Es ist der ursprüngliche Zustand unseres Seins. Teil von allem zu sein. Die Gehzeit ermöglicht uns sozusagen aus der Zeit zu treten, aus einer falschen Identität, der gedanklichen Anklammerung an die Vergangenheit und deren Projektion in die Zukunft. Genau das ist es was uns im Leben immer wieder so unglücklich macht. Wir sind nicht im Jetzt. Die Natur aber schon. Sie kennt nichts anderes. Sie denkt nicht. Entziehe Deinen Gedanken die Energie und richte sie auf das Jetzt das Dich umgibt. Das ist das wahre Leben. Das ist es was Dir die Last von der Schulter nimmt. Nimm es an. Wenn Du es in der Natur verstehst und anwenden kannst, dann kannst Du es auch in allen Lebenssituationen anwenden. Es ist das bewusste Lösen von Dingen, die Du nicht mehr brauchst, sich zu erfreuen an dem was ist. Dadurch erfährst Du innere Ruhe. Und genau dann, wenn Dein Gedankenstrom unterbrochen ist, entsteht unterstützende Kraft – denn alle Kraft kommt von innen! Der Verstand kann dies nicht erkennen, nur wenn die Gedanken ruhig sind vermagst Du es zu erfühlen. Und genau deshalb schauen wir gemeinsam bewusst auf unsere Gefühle während wir in der Natur unterwegs sind. Das ist die Übung des Loslassens und der Hingabe an das was ist.

Nutze daher die Bewegung innerhalb der Gehzeit aus, um innerlich bereit zu sein für den nächsten Teil der Besonderheit an der Naturfotografie, die Ruhezeit.

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