Sturm und Stille

Sturm und Stille über den Nockbergen

Wieder mal stand ein Fotoseminar im Hotel Hochschober auf dem Programm und wieder mal war der Wetterbericht in Sturm und Stille zweigeteilt. Wie schon so oft, zeigten die Prognosen genau zur Zeit des Seminars einen markanten Wetterumschwung an, und der kam auch über uns, und zwar in faszinierenden Bildern. Das Seminar fand genau zur Lärchenblüte in den Nockbergen statt, einer ganz besonderen Zeit, bei denen sich die Nadeln der Lärchenbäume goldgelb verfärben. Wie schon ein Jahr zuvor, zeigten sich die Wälder von ihrer schönsten Seite, denn durch die Sonne und die klare Luft leuchteten die Lärchen zwischen den Zirben markant hervor.

Der Seminarbeginn

Unser Seminar begann ganz in Ruhe mit einer entspannten Einführung im legendären Wortreich, wohl eine der schönsten Bibliotheken aller Hotels in den Alpen. Der nächste Tag war klar und sonnig. Die Teilnehmer konnten einerseits an meinem Vortrag teilnehmen, andererseits aber auch das Hotel und den Wellness-bereich genießen. Am späten Nachmittag war es dann soweit. Wir gingen rauf zum Schwarzsee und planten den Sonnenuntergang zu fotografieren. Der Schwarzsee ist bekannt für seine ruhige Lage, einem gigantischen Spiegelbild der umliegenden Wälder und Berge sowie dieser einen besonderen Zirbe, die direkt auf einem Felsen im Wasser steht.

Es wehte bereits etwas Wind und ich hoffte, dass dieser, wie bei so vielen anderen Seminaren, kurz vor Sonnenuntergang nachließ. Dem war nicht ganz so, denn man merkte bereits den anrauschenden Wetterumschwung. Kurze Phasen von Windstille wechselten mit längeren Windphasen ab. Das machte aber gar nichts, denn wir hatten trotzdem wunderbare Möglichkeiten, die schöne Natur zu fotografieren.

So planten wir, um das gute Wetter auszunutzen, nach dem Sonnenuntergangsshooting zurück zum Hotel zu gehen, um das Abendessen zu genießen, aber dann nochmals raus zu gehen, um auch in der Nacht die Sterne zu fotografieren. Und zwar bei ganz besonderem Licht, denn es war kurz vor Vollmond. Wir hatten so in der Nacht ebenfalls leuchtende Lärchen im Sucher und erlebten einen fotografischen Leckerbissen, denn die Vollmondfotografie erlaubt es fast wie am Tage zu fotografieren. Gegen Mitternacht begannen auf den umliegenden Gipfeln erste Wolkenkronen zu entstehen und wir wussten, lange dauert es nicht mehr, dann ist der Himmel bedeckt. Sturm und Stille wechselten sich also in diesem Moment ab. Zufrieden machten wir uns wieder auf den Weg zurück ins Hotel.

Gipfelsieg

Der nächste Tag war bedeckt, wie erwartet, aber trotzdem gingen wir nach einer weiteren Theorie-Einheit hinaus und zwar an einen anderen ganz besonderen Ort. Wir fuhren mit dem Nockyflitzer rauf in Richtung Kornock und gingen von dort etwa 400 Höhenmeter bis zum Gipfel des Rinsennock. Dieser Ort bietet wohl von allen Gipfeln rund um die Turrach das gigantischste Panorama. Rund um uns stand so ziemlich alles was in den Bergen Österreichs, Sloweniens und Italiens nach oben strebt. Und das mit einer Fernsicht locker über 100 km. Schaut Euch dazu das Pano auf der Pano-Galerie an.

Auch an diesem Ort erlebten wir Sturm und Stille. Bereits beim Aufstieg waren wir am Grat entweder dem peitschenden Nordwind ausgesetzt oder wir standen in absoluter Stille, weil der Weg uns auf die Lee-Seite des Grates führte. Auch erlebten wir etwas ganz besonderes. Und zwar sahen wir entlang des Alpenhauptkammes und auch über uns ausgeprägte Lenticularis-Wolken (Föhnlinsen oder auch Föhnfische genannt), die sicher an die 100 km lang waren. Eine solche Wolkenformation entsteht, wenn die Luft von den Alpen nach oben abgelenkt wird, dann bilden sich auf etwa 6000 Meter diese spezifischen Wolken, die als Föhnwelle über den Bergen steht.

Auf der anderen Seite sahen wir die Grenze zwischen bedecktem Himmel und Schönwetter. Alles was von den Bergen nach oben abgelenkt wir, muss ja auch mal wieder runter. Und fallende Luft bedeutet Wolkenauflösung. Daher fand ich es so spektakulär, dieses Phänomen, dass vor allem auf Satelittenbildern beobachtet werden kann, mal wieder live zu sehen und zwar an einem so besonderen Ort mit gigantischer Fernsicht. Wir fotografierten also ausgiebig und machten uns dann schön langsam wieder auf den Weg nach unten, denn der Sturm war schon so stark, dass er meine Kamera umwehte.

Föhnsturm am Morgen

Der letzte Tag gestaltete sich ebenfalls sehr spannend. Wir standen sehr früh auf und marschierten noch bei Dunkelheit los in Richtung Vastlalm. Dort wollen wir den Sonnenaufgang erleben und fotografieren. Mittlerweile hat der Sturm eine Stärke von 100 km/h erreicht. Daher war es gut in diese Richtung zu gehen, denn dieser Bereicht ist durch den Gipfel des Schoberrigels immer etwas Windgeschützt. Wir hofften also, dass an diesem Ort Sturm und Stille ebenfalls abwechselten.

Beim Gehen fiel uns das laute Rauschen der Bäume auf. Zuerst noch etwas unheimlich, wurde es mit der Zeit vertrauter und wirkte später sehr beruhigend auf uns. Die Wolken zogen so dermaßen schnell, dass ein Graufilter gar nicht nötig war. Und dann kam sie, die Sonne. Am Anfang noch etwas zaghaft, aber mit der Zeit immer intensiver und zum Schluss konnten wir sogar jenen Moment fotografieren, der zu dieser Jahreszeit so besonders ist. Zur goldenen Stunde mit brennenden Lärchenbäumen rund um uns herum. Ein wohl krönender Abschluss für all die Anstrengungen. Zufrieden zogen wir wieder zurück zum Hotel und somit auch zum grandiosen Frühstücksbuffet.

Sturm und Stille, alles das erlebten wir in den drei Tagen an Seen, auf Almen und am Gipfel. Die Bilder zeigen eine faszinierende Natur, aber auch die Kraft, die in ihr steckt. Genießt die Aufnahmen und kommt vielleicht selbst mal mit um besondere Zeiten an besonderen Orten zu erleben und zu fotografieren.

Fotogalerien:

Galerie Lärchenblüte Galerie Nockberge in voller Breite

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