Weisssee Gletscherwelt

Die landschaftliche Vielfalt der Weisssee Gletscherwelt

Ein Bericht über das grandiose 3-Tages-Fotoseminar im Berghotel Rudolfshütte im Juli 2018.

Voller Vorfreude war ich, als ich den Wetterbericht der Weisssee Gletscherwelt, eine Woche vor Beginn des Seminars, studierte. Es wird schön, und es wird auch sehr klar werden, las ich auf der Kachelmann Website, was für mich bedeutete, dass wir auch unter den Sternen fotografieren werden. Und auch die Teilnehmer waren auch schon voller Vorfreude, den das merkte man schon an den E-Mails, die ich von ihnen bekam.

Die Ankunft

Nun gut, der Tag war gekommen und ich fuhr von Kärnten aus in Richtung Salzburg-Pinzgau. Und siehe da, es regnete  🙄 Die hohen Tauern waren in dichten Wolken versteckt und noch in Zell am See flüchtete ich vor einem massiven Regenschauer ins Auto. Aber ich dachte mir, das ist so in den Bergen. Wenn ich es annehme wird es sicherlich auch wieder besser werden und wie immer dachte ich mir auch „lass Dich doch einfach überraschen was kommt“.

Wie immer hatte ich recht. Die Fahrt mit der Gondelbahn rauf zur Hütte in der Weisssee Gletscherwelt war ebenfalls noch verregnet, aber wenn der Wetterbericht stimmt, dann muss es doch bis spätestens morgen schöner werden. Ich hatte zwar geplant, einen Tag früher anzureisen um einen ersten Walk zu den Fotolocations zu machen und die Restschneemengen vom letzten Winter zu checken, aber daraus wurde nichts. Auf der Hütte angekommen, legte der Regen so richtig zu. Also blieb mir nichts anderes übrig, als abzuwarten. Und das ist eigentlich ein ganz Normales Prozedere eines Fotografen.

Der Seminarbeginn

Der erste Tag verging und am nächsten Tag (Montag) startete das Seminar mit einer Einführung im Seminarraum. Ein sehr schön gelegener Raum, denn vom Sitzplatz aus sieht man viele Dreitausender. Wir lernten uns also kennen, Andy kannte ich allerdings schon von einem anderen Seminar, und vereinbarten gleich am selben Abend ein Sonnenuntergangsshooting „zur Eingewöhnung“ am Ufer des Weisssees. Ich erwähnte auch die Gefahren des Hochgebirges und vor allem auch, dass sich der Körper an die Höhe und die dünnere Luft gewöhnen müsse. So ging es am Abend nach dem Buffet nur die 60 Höhenmeter runter zum See, über den Überlauf rüber zur anderen Uferseite.

Wir hatten zwei verschiedene Standplätze. Der eine eröffnete einen faszinierenden Blick über das Ödenwinkelkees in Richtung Eiskögele, Hocheiser und Johannisberg, der andere war das Ufer des Weisssee selbst, denn zu diesem Zeitpunkt war der See noch nicht voll mit Wasser und so hatten wir eine faszinierende Uferlinie mit stark strukturierten Stein- und Felsformationen als Vordergrund. Die Sonne begann unterzugehen und wir erlebten das erste Bergglühen über den 3000ern der Weisssee Gletscherwelt. Gegenüber leuchteten Wolkenfetzen die zwischen dem Stubacher Sonnblick und der Hohen Fürlegg hingen, wie Feuer und in der Ferne über den Kitzbühler Alpen sahen wir das zarte orange des Himmels leuchte.

Das Wasser des Sees war sehr ruhig zeigte uns ein feines Spiegelbild des Sonnenuntergangs und der Wolken. Wir fotografierten also an die 3 bis 4 Stunden und konnten uns so das erste Mal mit Begeisterung diese schöne Natur der Weisssee Gletscherwelt erleben. Erst spät in der Nacht gingen wir wieder zurück zum Hotel, was für uns alle noch eine ziemliche Anstrengung war, denn diese verflixten 60 Höhenmeter rauf zum Hotel sind so ziemlich das schwierigste von allen Touren, die man dort machen kann. Es ist einfach nur deshalb so schwierig, weil man glaubt, man wäre schon beim Ziel angekommen, und muss sich doch noch einmal den Berg hochplagen.

Sehen Sie hier die dazugehörigen Galerien des Fotoseminars: 
Weissse Gletscherwelt Gletschersee
Kalser Tauern Panoramaaufnahmen

Der zweite Tag in der Weisssee Gletscherwelt

Aber wie dem auch sei, wir kamen alle gut an und planten bereits das neue Shooting am Dienstagvormittag. Nach einem guten Frühstück gingen wir zeitig los in Richtung Gletschersee des Stubacher Sonnblickkeeses, denn wir wussten, dass das Wetter ab 14 Uhr schlechter werden würde, dass heißt, dass Gewitter aufziehen sollen. Ich wusste nicht, wie es beim Gletschersee aussehen würde, da ich diesen zu einer Schneefreien Zeit besucht hatte. Wir gingen also den direkten Weg hinauf, über einige Leitern in den Felsen und standen nach ca. 1 Stunde am Schneebedeckten Ufer des Sees. Eigentlich war auch der gesamte Bergsee noch mit Schnee bedeckt. Aber ... es gab hier etwas ganz besonderes zu sehen, und zwar gab es kleine Pfützen die in einem hellen Türkis, wie eine Lagune in der Südsee, leuchteten. Und das war ein grandioses Naturschauspiel. Wir hatten Glück mit dem Wetter, denn die Sonne kam raus und der Himmel war tiefblau. Voller Faszination fotografierten wir die Winterlandschaft im Juli, mit den Türkisen Lagunen, den roten und orangenen Felsen, dem blauen Gletschereis und dem Grünen Abfluss des Sees. Ein unglaublicher Anblick, der alle beteiligten Fesselte.

Äußerst zufrieden stiegen wir am frühen Nachmittag wieder ab zum Berghotel Rudolfshütte und begaben uns ins Restaurant, denn wir hatten ordentlich hunger. Und dann kam der Nebel und der Regen. An diesem Tage war das kein Problem, denn wir hatten ja schon unser Shooting und am Programm stand ja noch die Theorieeinheit im Seminarraum. Auch konnten sich die Teilnehmer in der Sauna und im Hallenbad erholen, während es draußen ziemlich unangenehm war. Wie dem auch sei, wir wussten, dass es wieder besser werden würde, denn wir beobachteten gemeinsam die Wetterprognosen.

Das grande Finale

Der Mittwoch war dann den ganzen Tag vernebelt und auch der Wetterbericht selbst schob die prognostizierte Wetterbesserung immer weiter nach hinten. Es war also ein Ruhetag mit einer Theorieeinheit, der aber auch den letzten Tag markierte und ich wollte unbedingt allen den faszinierenden Sternenhimmel der Weisssee Gletscherwelt in absoluter Dunkelheit zeigen. Als es dann Abend wurde begannen wir schön langsam zu zweifeln, ob es denn überhaupt nochmals aufreisen würde. Wir vereinbarten um 23 Uhr ein Treffen vor dem Hotel um weiter zu beraten und als wir dann draußen standen, dauerte es nur ein paar Minuten und wir standen tatsächlich unter den Sternen.

Jetzt schnell die Bergsachen anziehen und losmarschieren. Das Ziel war der Kalser Tauern, auch Kalser Törl genannt, ein Übergang von Salzburg ins Dorfertal nach Osttirol. Der Aufstieg war mit etwa 1,5 Stunden veranschlagt, wir schafften es sogar in etwa 1,25 h. Und dann bat ich alle die Stirnlampen auszuschalten. Ich sage Euch, ein faszinierender Traum unter einem klaren Sternenhimmel zu stehen, kein anderes Licht zu sehen und, noch hatten wir Glück, keinen Wind zu spüren. Los ging es also mit dem Fotografieren. Wir verteilten uns über dem weitläufigen Gelände und von überall hörte man Freudenschreie und lautes Stauenen. Die gesamte Weisssee Gletscherwelt lag uns vor der Linse, beleuchtet nur durch das Sternenlicht.

Bis es dann so gegen 2 Uhr in der Früh plötzlich ganz rasch windig wurde und sich genau über uns am Kalser Tauern eine Wolke bildete. Unglaublich wie schnell so etwas geht. Es kam Südwind auf und der war so feucht, dass uns auch die Linsen anliefen.

Nach etwa einer Stunde warten, einige von uns krochen sogar in den Biwacksack, entschlossen wir uns, abzusteigen, denn die Wolke machte nicht mehr auf. Als wir etwa 2/3 des Abstieges hinter uns hatten, kamen wir aus der Wolke heraus und sahen bereits das Licht der Morgendämmerung. Wir entschlossen uns hinter den großen Steinen vor dem Wind zu verstecken und an dieser Position über dem Weisssee den Sonnenaufgang zu fotografieren. Was wiederum zu einem faszinierenden Schauspiel wurde, denn nur Sonnenaufgang allein war es nicht. Es waren die spektakulären Wolkenfetzen, gepaart mit dem magischen Licht der Dämmerung, die diesen Morgen verzauberten.

Bis um etwa 5:30 Uhr in der Früh fotografierten wir bis dann wieder mal eine riesen Wolkenwand die Sicht auf die Berge verhüllte. Als wir beim Hotel ankamen waren wir natürlich die ersten, die auf waren und so konnten wir uns gleich um 6:30 Uhr ans Frühstücksbuffet setzen und die Nacht resümieren. Kein Schlaf und 6 Stunden Fotografieren in der Nacht waren zwar hart, aber trotzdem wollte es niemand missen.

Unser Abschied

Nachdem wir uns dann noch für etwa 2 Stunden niedergelegt hatten, trafen sich alle ein letztes Mal im Seminarraum, um die ersten Bilder zu sichten und zu bearbeiten sowie um (leider) Abschied zu nehmen. Eine so lange Nacht hatte kaum jemand in der Runde erlebt, und trotzdem wird gerade diese Nacht allen in Erinnerung bleiben, weil nicht nur wunderbare Fotos entstanden, sondern weil wir alle auch Zeuge der Schönheit der Natur wurden und uns diese Schönheit tief berührt und fasziniert hat. Genau das ist es, was ich am Fotografieren so gut finde. Das Jetzt zu erleben und zu bewahren.

Danke an alle Teilnehmer für Euer herzliches Beisammensein und Eure Freude und Faszination. Ich hoffe ich kann Euch alle mal wiedersehen und mit Euch gemeinsam Fotografieren gehen.

Alles Liebe

Euer Foto Doc

Günter

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Kalser Tauern Panoramaaufnahmen

 

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