Winterzauber im Karwendel

Winterzauber im Karwendel Gebirge

Das erste Mal Winterzauber im Karwendel als Fotoseminar im Dezember im Posthotel Achenkirch. Bei meinen Vorbereitungen auf die Tage im Hotel, beobachtete ich immer wieder das Wetter und musste feststellen, dass sich die Vorhersagen auf Regen, Schneefall und sogar Sturm einpendelten. Ihr könnt Euch gar nicht vorstellen, wie verwundert wir alle waren, als wir ins Hotel kamen und genau vom Beginn bis zum Ende des Seminars quasi wolkenloser Himmel vorherrschte. Nur an einem Abend zog Hochnebel von Bayern rein. Und es war die Tage a….kalt. Wir haben so an die Minus 18 Grad gemessen, dafür gab es bei unseren Fotoshootings aber einen wahrlich faszinierenden Winterzauber im Karwendel Gebirge, und das bei Tag und bei Nacht.

Technik und Präsentation

Angefangen hat alles damit, dass ich bereits im Mai mit dem Posthotel die neuen Termine bis 2019 ausverhandelte. Nun war es soweit. Ich reiste einen Tag vor dem Seminar an und hatte ausgiebig Zeit , mich den nagelneuen Seminarräumen zu widmen und den 86 Zoll 4K Fernseher und die Bose Anlage für meine Präsentationen zu testen. Hammer, kann ich nur sagen. Danke auch an das Team des Hotels für die Top Unterstützung. Schöner und professioneller geht’s echt nicht. Vor lauter Faszination hab ich ganz vergessen im Seminarraum zu fotografieren. Aber, naja, dafür waren es halt ein paar Fotos mehr in der Natur.

Der Erste Tag

Der Winterzauber im Karwendel begann bereits am ersten Tag. Wir hatten eine entspannte Einführung und Kennenlernrunde und machten uns gleich an unterschiedliche Themen wie Ausrüstung, Fotoplanung und das Wetter. Da wir ja kurz vor der Wintersonnenwende standen, waren die Tage sehr kurz und so mussten wir bereits früh am Nachmittag raus, um den Sonnenuntergang zu erleben. Man bedenke, die goldene Stunde begann schon um 13:30 Uhr!

Der Weg führte uns rüber nach Bayern, vorbei am Sylvensteinstausee und Vorderriss in den Isargrund. Der tiefe Sonnenstand ließ vermuten, dass die benachbarten Berge die Sonne verdecken würden, deshalb wählte ich einen Standort ganz im Westen des Tals, und ich hatte recht, wir standen im strahlenden Licht der untergehenden Sonne. Es war wahrlich ein Winterzauber im Karwendel, genauer gesagt im Vorkarwendel. Worte können diese glitzernde Landschaft, die nur an die 30 Höhenmeter mit dicken Raureif bedeckt war, kaum beschreiben. Bilder können es vermitteln. Keine Spuren im Schnee, keine Menschen um uns rum, nur wir mit unseren Stativen und Kameras.

Ein Traum!

Wir waren alle wie weggebeamt. Ich blickte mich um und sah nur wie jeder irgendwo kniete, lag und herum kroch um noch näher an diese Welt der Kristalle zu kommen. Dann war da noch das Licht der Sonne, dass, je tiefer der Sonnenstand war, immer goldener wurde, bis die Sonne hinter dem Wettersteingebirge verschwand und sich der Winterzauber im Karwendel in eine Stille, von diffusem Licht durchflutete Welt wandelte. Nur das rauschen der Isar hörte man. Wir warteten wie sich die Farben im Himmel entwickelten und nach etwa einer Stunde bemerkten wir, dass sich mittelhohe Wolken bemerkbar machten. Es kroch Hochnebel vom Flachland herein.

Bis in die blaue Stunde hinein fotografierten wir noch im Isarwinkel, dann machten wir uns auf den Weg ins Risstal. Unser Ziel war der große Ahornboden. Nach Hinterriss erreichten wir die Mautstelle, und eine Tafel, auf der stand, dass die Straße in die Eng gesperrt sei. Nun gut, vorbei am Schild einfach die Straße weiterfahren … bis uns dann doch ein Schranken im Wege stand.

Wir kamen nicht weiter

Das darf doch nicht wahr sein. Sternenklare Nacht, den Hochnebel hinter uns gelassen, der „fast“ Halbmond ließ die Nacht zum Tage werden und dann kann man nicht hineinfahren zu den 2000 Ahornbäumen? Was machen wir jetzt? Kurze Beratung … wir bleiben einfach da wo wir gerade sind. Und das war genial. Wir stiegen aus, nahmen unsere Kameras mit Stativ und wanderten 50 Meter auf eine verschneite Wiese. Dann bat ich alle, das Licht auszumachen und mal zu schauen was es da so zum fotografieren gab.

Kristallwelten

Uns stockte fast der Atem. Wieder eine Kristall Landschaft, so als ob diese besonderen Momente an diesem Tage gar nicht aufhören wollten. Der Mond war in dieser Nacht nur zu 48% beleuchtet, er leuchtete aber die Winterlandschaft so dermaßen hell aus, dass wir glauben, wir seien im Märchenland. Noch nie habe ich so bezaubernd glitzernden Schnee in der Nacht gesehen. Überall funkelte es vom Mondlicht und über uns standen zudem schon die Sterne. Und da war dann noch eine Baumreihe am Rissbach, die genauso wie im Isarwinkel, über und über von Raureif überzogen war. Ein wahrer Winterzauber im Karwendel Gebirge!

Hin und wieder zurück

Nachdem wir dort fast fest gefroren sind, fuhren wir wieder retour ins Hotel, genossen das herrliche Abendessen und fanden uns kurz vor 10 Uhr wieder am Hotelbus. Es ging schon wieder raus, diesmal an den Achensee. Wir wussten zwar, dass Hochnebel war, aber ich wusste auch, das Pertisau in voller Winterbeleuchtung gekleidet war, und das ließ sich in der Nacht vom gegenüberliegenden Ufer aus sehr gut fotografieren. Den Ort hatte ich schon oft aufgesucht, diesmal aber war er ganz besonders schön, und das obwohl wir nicht einen Stern sahen.

Die Lichtverschmutzung von Pertisau leuchtete die Berge ringsum aus, bot aber auch ein Gegenlicht für die Wasseroberfläche, und auf der lagen dünne Nebelschwaden, die sich durch eine Langzeitbelichtung super einfangen ließen. Zudem war der Wasserstand des Achensee um sicherlich 4 Meter tiefer als mir bekannt, und wir hatten einen breiten Uferstreifen zum fotografieren. Zufrieden mit vielen tollen Fotos im Kasten fuhren wir wieder zurück ins Hotel.

Nochmals ins Risstal

Der nächste Tag war zuerst noch von Hochnebel geprägt. Nach und nach löste er sich aber wieder auf und wie einen Tag zuvor, war strahlend blauer Himmel zu sehen als wir mit dem Bus wieder losdüsten. Ich versuchte zuvor gemeinsam mit dem Event-Manager des Hotels verzweifelt an den Schlüssel des Schranken ins Risstal zu kommen. Wir hatten auch Glück, den Jäger des Tals zu erreichen, der diesen Schüssel besaß, der aber uns zu verstehen gab, dass die Straße nur bis zur Hagelhütte geräumt sei und dass die Straße quasi eine blanke Eisbahn sei.

Schweren Herzens musste ich meinen Teilnehmern mitteilen, dass wir den Ahornboden nicht erreichen können, aber ich schlug vor, dass wir trotzdem wieder bis zum Schranken fahren sollten und dann, mit etwa 30 Minuten Fußmarsch, eine tolle Fotolocation, direkt im Flussbett des Rissbachs erreichen würden. Und dem war auch so. Wir standen am vereisten und mit Raureif überzogenen Flussbett, vor uns die Gipfel der Bettlerkarspitze und Schaufelspitze im Abendlicht, über uns der Turmfalk, Risser Falk und Laliderer Falk und unter uns ein weit verzweigtes Netz aus Schnee, Wasser uns Eis.

Den Winter spüren

Minus 18 Grad haben etwas beißendes an sich, und zwar an Wangen, Fingern und Zehen. Trotzdem blieben wir, bis es vollkommen dunkel war, also eigentlich, bis uns der Mond das Land wie eine Glühbirne ausleuchtete. Wieder erlebten wir einen glänzenden Wintertraum im Karwendel. Dann aber wurde es so kalt, dass wir unsere Zehen nicht mehr spürten und wir uns schwer taten die Kamera auszulösen.

Trotz der Kälte waren wir so sehr zufrieden von dem was wir in diesen Tagen alles erlebt haben. Eine Teilnehmerin sagte mir beim Abschied, dass sie es nicht für möglich gehalten hätte so lange in solcher Kälte zu bleiben. Ich erwähnte ihr, dass ich das Gefühl hatte, dass sie eigentlich gar nicht mehr zurück wollte.

Nebenbei erwähnt

Zu guter letzt kam noch ein Auto aus dem Nichts, und zwar nicht auf der Risstalstraße sondern direkt aus dem Wald. Es fuhr durch den Schnee entlang des Flussbettes an uns vorbei und hielt etwa 100 Meter entfernt von uns direkt am Wasser. Ein Mann stieg aus, öffnete die Ladefläche und zog zwei Rehe von der Ladefläche, die er wohl zuvor erlegt haben musste, wusch diese im Fluss und … soweit wir es sehen konnten … weidete er sie auch dort aus.

Nun gut, das war vielleicht nicht gerade das Highlight, aber die Jagd ist nun auch ein Teil der Alpenkultur und so waren wir mal hautnah dran. Es ist hierbei auch anzumerken, dass wir als Gäste eines 5 Sterne Hotels des öfteren in den Genuss kommen, köstlichst zubereitetes Wild, als einen der vielen Gänge beim Abendessen serviert zu bekommen!

Abschied

Der Abschluss fand dann am Tag darauf wieder im Seminarraum statt und ich konnte sehen, dass alle Teilnehmer sehr zufrieden waren, von dem was wir erlebten, aber auch von dem was ich versuchte zu vermitteln, nämlich, dass die Technik zwar ein wichtiger und spannender Teil der Fotografie ist, dass es aber noch viel wichtiger ist, das was man Fotografiert auch zu wertschätzen. Dies geschieht durch Anerkennung, Freude, Enthusiasmus und Respekt. Der Natur gegenüber, dem Leben, dem Licht und dem Zeitpunkt in dem wir das alles erleben. Dem JETZT!

Danke an alle für dieses grandiose Seminar und die tollen Gespräche. Ich hoffe, ich kann Euch mal wieder bei einem meiner Seminare begrüßen! Für 2019 gibt es bereits wieder 4 Termine von März bis September. Weitere folgen noch.

Euer Foto Doc.

Günter

Fotogalerien zu diesem Fotoseminar:

Licht im Isarwinkel Kurzbesuch am Achensee

Minus 18 Grad im RisstalPanos aus dem Karwendel

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